Archiv für Februar 2008

Rassistische Nazi-Schläger verurteilt

Am 31.10.07 berichteten wir schon über einen rassistischen Übergriff auf einen dunkelhäutigen Mann in einer Kneipe auf dem Gildehauser Weg. Wie mensch heute in den Grafschafter Nachrichten lesen konnte, wurden die zwei Schläger verurteilt. Einer der angeklagten Nazis muss für zwei Jahre und drei Monate in Haft. Der andere Nazi muss für zehn Monate in den Knast.

Grafschafter Nachrichten vom 29.02.08:

Ausländerfeindliche Attacke auf Farbigen bringt zwei Nordhorner in Haft

Dunkelhäutiger Brite wurde aus Gaststätte geworfen und geschlagen – Gericht lehnt Bewährungsstrafen für 23 und 21 Jahre alte Täter ab

bt Nordhorn. Der Hauptverhandlung gegen zwei junge arbeitslose Männer aus Nordhorn vor dem Schöffengericht lagen insgesamt vier Anklagen zugrunde. Dem 23-Jährigen wurde vorgeworfen, im Rahmen der Randale, die im August letzten Jahres in der Blanke statt fand, Polizisten mit einer Flasche beworfen und später bei der Ermittlung seiner persönlichen Daten den Beamten den Hitlergruß entboten zu haben. Der andere, erst 21 Jahre alte Angeklagte hatte sich dafür zu verantworten, dass er den neuen Freund seiner ehemaligen Freundin telefonisch mit ausländerfeindlichen Parolen beleidigt haben soll.
Die beiden waren auch gemeinsam tätig gewesen, und zwar hatten sie in einem Warenhaus in Nordhorn einen dort ausgestellten Rollator entwendet. Hierbei waren sie dem Personal aufgefallen. Das, was sich dann am 8. September 2007 abspielte, stellte alles andere in den Schatten. Ein englischer Staatsangehöriger mit dunkler Hautfarbe befand sich mit Nachbarn in einer Gaststätte in Nordhorn. Daran nahmen die beiden ebenfalls anwesenden Angeklagten offensichtlich Anstoß. Mit den Worten: „Neger sind in dieser Gaststätte nicht erlaubt“ beförderten sie den Gast nach draußen. Der ihn begleitende Nachbar ging hinterher, wohl um ihn zu beruhigen.
Der hinausgeworfene Gast ging dann wieder rein, trank sein Glas leer und bezahlte seine Zeche. Nach seinen eigenen Worten in seiner Zeugenvernehmung war er wie die anderen Gäste betrunken. Schließlich spielte sich das ganze um weit nach Mitternacht ab.
Es folgten beim Weggehen draußen vor der Tür seitens der Angeklagten nach Aussage weiterer Zeugen wüste ausländerfeindliche Beschimpfungen rechtsradikaler Prägung. Dies hat der so Beleidigte wohl zum Anlass genommen, zuzuschlagen, denn der ältere der beiden Angeklagten hatte plötzlich eine gebrochene Nase.
Als sich der beleidigte Zeuge entfernt hatte, liefen ihm die beiden Angeklagten und die ganze Meute, die sich inzwischen eingefunden hatte, hinterher. An einer Bushaltestelle holte man ihn ein und der mit der gebrochen Nase schlug auf den am Boden liegenden Mann ein. Als dann ein Pkw vorbeikam und der Fahrer ausstieg, fand der Spuk ein Ende.
In Erklärungen, die die Verteidiger für ihre Mandanten abgaben, räumten diese die Vorwürfe teilweise ein. Die Formulierungen, die Angeklagten hätten den Engländer aus der Gaststätte „begleitet“, stellten sich nachher als gewaltige Untertreibung dar. Für Befragungen durch Gericht und Staatsanwaltschaft standen die Angeklagten danach aber nicht zur Verfügung. Das Gericht war gezwungen, die insgesamt zwölf Zeugen zu vernehmen.
Das Bild, das die Prozessbeteiligten dadurch von den Vorfällen bekamen, war eindeutig. Die Rolle des Gastwirts blieb genauso unklar wie die des einen Zeugen. Der Wirt war zwar in der Gaststätte, hat aber wohl nichts mitbekommen. Einer der Zeugen kam, so der Vorsitzende Richter, in seiner Vernehmung der politischen Einstellung der Angeklagten sehr nahe.
Beide Angeklagten haben trotz ihres relativ jungen Alters bereits ausreichend Erfahrung mit der Justiz. Die Auszüge aus dem Bundeszentralregister enthielten bei dem älteren der beiden Männer neun Eintragungen und bei dem jüngeren elf. Hierbei handelt es sich bei beiden zum Teil um einschlägige Verurteilungen. Der für den 21-jährigen Angeklagten zuständige Bewährungshelfer konnte nach seinen Erfahrungen keine positive Sozialprognose abgeben.
Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft stellte fest, dass sich die Vorwürfe in den Anklagen im Wesentlichen bestätigt haben. Sie beantragte für den 23-jährigen Angeklagten eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten und für den jüngeren der beiden eine solche von einem Jahr und fünf Monaten. Der verletzte Zeuge war aus Birmingham angereist und als Nebenkläger zugelassen. Sein Vertreter prangerte in seinem Plädoyer noch einmal die Gefühlskälte und die Ignoranz der Angeklagten gegenüber einem Mann an, der über 20 Jahre in Deutschland gelebt und gearbeitet hat. Er gab den Angeklagten zu bedenken, dass dieser Mann damit unter anderem das Geld erwirtschaftet hat, von dem die Angeklagten heute leben. Sein Mandant, immerhin schon 52 Jahre alt, ist nach den Vorfällen traumatisiert nach England zurückgekehrt, wo er sich eine neue Existenz aufbauen muss.
Für den älteren Angeklagten beantragte seine Verteidigerin unter Berücksichtigung des Teilgeständnisses und der unstreitig vorhanden gewesenen Alkoholisierung eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten und der Verteidiger des jüngeren eine solche von fünf Monaten. Beide waren der Ansicht, es verantworten zu können, die Strafen zur Bewährung auszusetzen. Über eine Bewährungsauflage sollte noch einmal versucht werden, die Aggressionen und die Alkoholprobleme der beiden in den Griff zu bekommen.
Das Schöffengericht bewertete die Sachlage offensichtlich anders. Es verurteilte die Angeklagten zu Haftstrafen ohne Bewährung. Der 23-jährige Angeklagte muss für zwei Jahre und drei Monate und der 21-Jährige für zehn Monate in Haft.“

Zu den am Anfang des GN-Artikels genannten Randale passt folgender Artikel aus den GN.

Grafschafter Nachrichten vom 07.08.07:

Größerer Polizeieinsatz gegen randalierende Erwachsene

Betrunkene zettelten in der Blanke Schlägerei an – Polizei kam mit Diensthunden – Lage bei Jugendgruppen entspannt

tk Nordhorn. Nachdem die nächtlichen Störungen durch Jugendliche im Nordhorner Stadtteil Blanke merklich zurück gegangen sind und sich die Lage hier entspannt hat, haben in der Nacht zum Samstag nun betrunkene Erwachsene für einen größeren Polizeieinsatz gesorgt. Die Nordhorner Polizei war mit mehreren Streifenwagen im Einsatz und wurde von Beamten aus Emlichheim, Lingen, Meppen, der Autobahnpolizei und der Bundespolizei sowie von Diensthundeführern unterstützt.
Gegen 03.30 Uhr war der Polizei eine Schlägerei im Bereich Gildehauser Weg/Ecke Daimlerstraße gemeldet worden. Die Beamten trafen „auf eine Gruppe stark betrunkener Personen in extrem gereizter Stimmung“. Als ein 21-Jähriger als mutmaßlicher Rädelsführer in Gewahrsam genommen werden sollte, wurden die Polizisten von einem 23-jährigen Mann mit einer Bierflasche beworfen und von anderen beleidigt. Gegen mehrere Personen wurden Ermittlungsverfahren eingeleitet und Strafanzeigen wegen Körperverletzung und Beleidigung erstattet, gegen 20 Personen Platzverweise ausgesprochen. Drei Randalierer wurden in Gewahrsam genommen, da sie den Verweisen nicht nachkamen. Bei dem Einsatz wurde ein Polizist leicht verletzt.
Die Polizei legt Wert auf die Feststellung, dass es sich bei den Störern vom letzten Wochenende hauptsächlich um erwachsene Personen im Alter von 21 bis 40 Jahren handelte – und nicht um die Jugendgruppierungen, die in den vergangenen Wochen für Aufregung im Nordhorner Stadtgebiet gesorgt hatten. „Die Polizei in Nordhorn wird auch weiterhin konsequent gegen Randalierer einschreiten und sofort Ermittlungsverfahren gegen Personen einleiten, die Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten begehen“, hieß es gestern.“