Archiv für Mai 2009

Nazis beleidigten Rollstuhlfahrerin

Am Abend des 07.05.09 wurde eine im Rollstuhl sitzende Frau von Nazis vor dem Nordhorner Ringcenter angepöbelt und beleidigt. U.a. sollen die Nazis zu der Frau etwas änhliches gesagt haben, wie: „Schade, dass die dich damals vergessen haben zu vergasen“.

Am selben Abend hat laut Angaben der Nazis ein „Nationales Gedenken“ stattgefunden. Die so genannten „Autonomen Nationalisten Grafschaft Bentheim“ sollen einen Fackelmarsch veranstaltet sowie Redebeiträge abgehalten haben.

Ob die Nazis vor dem Ringcenter ebenfalls bei diesem „Gedenken“ dabei waren, ist bislang nicht klar. Ausgeschlossen werden kann es aber nicht, da die Nazis komplett schwarz gekleidet gewesen sein sollen, was zu dem Auftreten der „Autonomen Nationalisten“ passt.


Schmiererei der so genannten „Autonomen Nationalisten Grafschaft Bentheim“ (ANGB)

Grafschafter Nachrichten vom 20.05.09:

„Rollstuhlfahrerin mit rechten Parolen beleidigt
gn Nordhorn. Wie der Polizei erst jetzt bekannt wurde, haben am Donnerstag, 7. Mai, gegen 20 Uhr zwei männliche Personen eine Rollstuhlfahrerin beim Verlassen des Ringcenters im Eingangsbereich „Marktkauf“ angesprochen und durch rechte Parolen beleidigt. Die Personen sollen etwa 20 Jahre alt, etwa 1,80 bis 1,85 Meter groß, sehr schlank und schwarz gekleidet gewesen sein. Sie trugen Springerstiefel und hatten kurz geschnittene schwarze Haare.“

Demokratisch?

Am 12.05.09 fand die von der Initiative GeRecht veranstaltete Lesung „Neonazis in Nadelstreifen – Die NPD auf dem Weg in die Mitte der Gesellschaft“ mit den beiden Journalisten Andrea Röpke und Andreas Speit in der Nordhorner Stadtbibliothek statt. Etwa 120 Menschen hörten sich den Vortrag an. Im Anschluss gab es noch einige Fragen, welche von den beiden Journalisten beantwortet wurden. Störversuche von Nazis gab es nicht. Es gab lediglich einen lächerlichen Provokationsversuch eines Nazis, welcher mit einer schwarz-weiß-roten Autofahne an der Bibliothek vorbei gefahren ist.

Vor der Veranstaltung haben die Nazis auf ihren Homepages noch rumgeheult, dass Personen, welche der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind, von der Veranstaltung ausgeschlossen sind. Sie sagten u.a., dass mensch den „wirklichen Meinungsaustausch“ scheue. Das stimmt so allerdings nicht. Meinungsaustausch ist immer gut und richtig. Aber eben nicht mit Nazis, welche sich das Dritte Reich zurückwünschen und den Holocaust relativieren oder sogar leugnen.

Einer derjenigen, welche das Vorgehen der Veranstalter_Innen verurteiltete, ist Reiner Alfons Heinen, erster Vorsitzender des NPD Unterbezirks Emsland/Grafschaft Bentheim. Heinen bezeichnet sich selber als patriotischen Demokraten und ist immer vorne mit dabei, wenn es darum geht, andere Menschen, die nicht mit den Idioten von der NPD diskutieren wollen, als „undemokratisch“ zu bezeichnen. Aber wie demokratisch die NPD selber ist, beweist sie immer wieder. Bevor Heinen wieder erster Vorsitzender der NPD Emsland/Grafschaft Bentheim wurde, war es noch Stephan R. R. wurde im März 2007 erster Vorsitzender, da Heinen finanzielle Probleme hatte. Der 26-jährige war aber schon damals vorbestraft. Zusammen mit seinem damaligen Parteikollegen Kai t.B. begang er einen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruch in Tateinheit mit einer gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung. Davon soll die Partei angeblich nichts gewusst haben. Aber wovon sie auf jeden fall gewusst hat, waren die Hausdurchsuchungen, welche auf Grund des paramilitärischem Sommercamps in Wilsum 2006, auf dem u.a. Hakenkreuzfahnen hingen. Auch Stephan R. war von diesen Hausdurchsuchungen betroffen. Aber wurde er aus der Partei ausgeschlossen? Nein. Im Gegenteil. R. wurde sogar zu den Landtagswahlen 2008 aufgestellt. Im März 2008 kam es dann zu einem erneuten Übergriff von Nazis, an denen auch der damalige NPD Unterbezirksvorsitzende Stephan R. und das NPD-Mitglied Kai t.B. beteiligt waren. Auch hier wurden die Nazis nicht aus der NPD ausgeschlossen. (Mittlerweile sind Stephan R. sowie Kai t.B. selber aus der NPD ausgetreten, was aber wohl eher auf gerichtstaktischen Überlegungen zurückzuführen ist und nicht auf ihre Gesinnung)

So ist das also. Vorbestrafte dürfen NPD-Vorsitzende sein und NPD-Mitglieder dürfen „politische Gegner“ verprügeln und müssen nicht mit Konsequenzen innerhalb der Partei rechnen. Aber so ist das. Auch jetzt. Denn Heinen ist ebenfalls vorbestraft. Und das ganze 13 mal.


v.r.n.l.: Stephan R., Kai t.B., Reiner Alfons Heinen – Patriotische Demokraten?