Archiv für Juni 2009

„Brutality is my reality“ Part II

Am 11.06.09 fand vor dem Amtsgericht Nordhorn eine Gerichtsverhandlung gegen den Nordhorner Nazi Danny K. statt. Dem Angeklagten wurde vorgeworfen zwei Menschen mit der Faust ins Gesicht geschlagen zu haben und somit zwei vorsätzliche Körperverletzungen begangen zu haben.

Zur Vorgeschichte: Am Abend des 19.08.08 hatten drei junge Männer die grandiose Idee eine Reichkriegsfahne vor der Wohnung zweier Nazis zu verbrennen, um -so die drei Zeugen- ein „Statement gegen die Nazis, die dort wohnen“ abzugeben. Zur Notwehr wurde ebenfalls ein nicht funktionsfähiges Luftgewehr mitgenommen, um damit „den Nazis Angst einzujagen“, falls es zu einer Ausseinandersetzung mit diesen kommen sollte. Da in der Wohnung nur die Faschistin Janina D. war, schrieb sie ihrem jetzigen Verlobten Danny K. eine Nachricht über einen Interner-Messenger, in der stand, dass Leute vor ihrer Haustür eine Fahne verbrennen. Daraufhin machten sich Danny K. und Kai B., der ebenfalls im Internet-Café in der Stadt war, auf, um sich die Sache selber „anzugucken“. Als diese dann bei der Wohnung ankamen, schlug Danny K. direkt dem Ältesten sowie einem weiteren Opfer ins Gesicht. Der ältere der beiden blutete danach aus dem Mund und aus der Nase. Kai B. wandte sich dem Jüngsten der Opfer zu, um mit diesem zu „diskutieren“. Schläge fielen hier nicht.

Danny K. bestritt alles. Er sagte aus, dass er lediglich den einen geschubst habe, woraufhin die drei Personen verschwanden. Er wäre zwar tierisch sauer gewesen, habe aber mit Sicherheit nicht zugeschlagen.

Dieser Aussage widersprachen fünf Zeugen. Zum Einen die drei Opfer, welche die Geschichte in etwa so erzählten, wie sie auch in der Anklageschrift stand. Dazu kam dann noch die Aussage eines Polizeibeamten, der sagte, dass er das eine Opfer blutend gesehen hat.
Die aber wohl wichtigste Aussage, machte ein ehemaliger Nachbar, der direkt über den Nazis wohnte. Dieser ist politisch weder rechts noch links einzuordnen und war demnach für das Gericht glaubwürdiger. Er sagte aus, dass er den ersten Schlag gegen den Ältesten der drei Opfer gesehen hat und erkannte den Angeklagten auch als Täter im Gerichtssaal wieder. Zu dem zweiten Schlag konnte er nichts sagen, da er in dieser Zeit die Polizei gerufen habe.

Die beiden letzten Zeugen Kai B. und Janina D. sagten vorhersehbarer Weise für ihren „Kameraden“ bzw. Verlobten aus. So sagte Kai B., dass er nichts gesehen habe, weil er mit dem Jüngsten der drei Opfer zu tun hatte. Janina D. sagte aus, dass Danny K. niemanden geschlagen, sondern lediglich den einen jungen Mann geschubst habe.

Die Staatsanwältin forderte eine Gefängnisstrafe von einem Jahr und sechs Monaten (inkl. einer vorherigen Verurteilung wegen Betruges), da sie keine Zweifel an dem Tathergang hatte, so wie er in der Anklageschrift stand. Die Verteidigung hingegen forderte Freispruch, da sie die Belastungszeugen unglaubwürdig fand.

Das Gericht entschied sich aber für eine Gefängnisstrafe von einem Jahr und drei Monaten. Eine Bewährung käme in keinem Fall in Frage, da der Angeklagte schon etliche Male u.a. einschlägig vorbestraft ist. Ebenfalls sagte der Richter, dass Janina D. sich bald vor Gericht wegen einer Falschaussage verantworten müsse.

Nun bleibt es abzuwarten, ob Danny K. mit seiner Verteidigerin in Revision geht. Bei seiner letzten Verhandlung, welche im März wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung war und er eine Gefägnisstrafe von zwei Jahren und neun Monaten erhielt, ging er ebenfalls in Revision.

Ohje Danny. Da hast Du Dir ja was geleistet. Aber du weißt ja: „Klage nicht, kämpfe!“ ;)

Grafschafter Nachrichten vom 16.06.09:

Zeugen widerlegen Täter-Aussage
Haft wegen Körperverletzung

Wegen vorsätzlicher zweifacher Körperverletzung verurteilte Strafrichter Ratering einen 33-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten. Dabei verhehlte der Richter jedoch nicht seine Enttäuschung über das dummdreiste Vorgehen der Opfer, das unter anderem das rechtswidrige Verhalten des Angeklagten hervorgerufen habe.
Der Vorfall ereignet sich am Abend des 19. August. Gegen 21 Uhr treffen sich drei befreundete Jugendliche aus Nordhorn, zurzeit des Geschehens 17 und 13 Jahre alt, in der Innenstadt. Ausgestattet waren sie mit einem – funktionsuntüchtigen – Luftgewehr und einer Reichskriegsfahne, die sie vor einem Haus anzündeten. Das jugendliche Trio, das „Nazis Scheiße“ findet, klingelt an der Haustür, hinter der es ein rechtsradikales Mitglied der NPD vermutet. Statt seiner erscheint die Freundin des Gesuchten. Es kommt zu einem Disput, währenddessen sie ihrem 33-jährigen Freund, der sich mit einem Bekannten in einem Internet-Café aufhält, eine Mail sendet.

In kurzer Zeit erscheinen die beiden Angerufenen, und der Freund macht kurzen Prozess, indem er zwei der Jugendlichen jeweils mit einem Faustschlag ins Gesicht verletzt, bevor sich die angegriffenen Provokateure aus dem Staub machen.

Jetzt stand der 33-Jährige wegen vorsätzlicher Körperverletzung in zwei Fällen vor dem Strafrichter des Nordhorner Amtsgerichts. Während der Beweisaufnahme stritt der Angeklagte ab, die Jungen geschlagen zu haben. Er habe sie lediglich weggeschubst, ohne sie zu verletzen. Diese Version bestätigte die 20 Jahre alte Freundin, während der Begleiter aus dem Internet-Café nach eigener Aussage nichts gesehen hatte. Der Vorwurf der Körperverletzung durch den 33-Jährigen wurde jedoch durch die Aussage eines Mitbewohners des Hauses bekräftigt. Er hatte den Tathergang aus einem Fenster beobachtet und die Polizei informiert. Der als Zeuge aussagende Polizeibeamte bestätigte, dass einer der Jungen im Gesicht geblutet habe.

„Diese Zeugenaussagen bekundeten die Tat des 33-Jährigen glaubhaft, während ich keinen Zweifel an der Fehlaussage seiner Freundin habe, denn ein kleiner Schubser könnte das Blut im Gesicht des Geschädigten nicht erklären.“ Mit diesen Worten eröffnete die Staatsanwältin ihr Plädoyer und forderte unter Einbeziehung eines vorhergehenden Urteils eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung, zumal der Angeklagte seit 1991 ein „üppiges“ 16-faches Strafregister unter anderem wegen Diebstahls, Körperverletzung und der Verwendung verfassungswidriger Embleme angehäuft habe. Die Verteidigerin hingegen plädierte weitgehend für einen Freispruch,

Bei seinem Urteil hatte der Richter das vorhergehende Urteil einbezogen und die Glaubwürdigkeit der Zeugen differenziert unter die Lupe genommen.“

Europawahl in der Grafschaft Bentheim

Bei den Europawahlen gingen 190 Wahlstimmen aus der Grafschaft Bentheim an rechtsextreme Parteien. Davon 146 Stimmen an die Republikaner (REP) und 44 Stimmen an die Deutsche Volksunion (DVU).

Allein aus Nordhorn wählten 67 Menschen die REP und 21 die DVU.