Archiv für August 2009

Hess-Aktionen seit 2004

Am 21.08.04 fand im bayrischen Wunsiedel ein so genannter „Rudolf Hess-Gedenkmarsch“ statt. An diesem nahmen auch fünf Nazis aus der Grafschaft Bentheim teil. Ausgerüstet mit einer Niedersachsen- und einer schwarz-weiß-roten-Fahne sowie mit einem Nordhorn-Banner „gedachten“ die Fünf mit rund 4000 anderen Nazis dem Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess.

Im Jahr 2005 wurde der zentrale Rudolf Hess-Marsch in Wunsiedel verboten. Seitdem rufen organisierte Nazistrukturen dazu auf, dezentrale Aktionen zu machen. Diesem Aufruf folgten die Nazis aus Nordhorn bzw. der Grafschaft Bentheim.


Vier der fünf Nazis aus der Grafschaft Bentheim in Wunsiedel beim „Hess-Marsch“

Seit 2006 versuchen die Nazis aus der Grafschaft Bentheim den Todestag von Hess irgendwie in die Öffentlichkeit zu bringen. So verklebten mehrere Nazis in der Nacht zum 20.08.06 Aufkleber sowie Plakate im Stadtgebiet in Nordhorn. Direkt am morgen danach rissen Anwohner_Innen und Antifaschist_Innen den Nazidreck von Wänden, Bushaltestellen und Wahltfalen wieder ab. Ebenfalls legten die Nazis einen Kranz in Form einer umgedrehten „Leben“-Rune für Rudolf Hess im Schwarzen Garten nieder. Dieser wurde von der Polizei sichergestellt.


Niedergelegter Kranz der Nazis im Schwarzen Garten in Nordhorn

2007 verklebten die Nazis ebenfalls Plakate zum „Gedenken“ an Hess. Dies geschah allerdings erst in der Nacht zum 06.09.07. Gleichzeitig verklebten sie Plakate mit der Aufschrift „Antifa Gruppen Zerschlagen“. Warum die Aktion erst so spät gemacht wurde, kann nicht genau gesagt werden. Es kann aber damit zusammenhängen, dass die Nazis genug mit der Organisation des Rechtsrockkonzertes zu tun hatten, welches am 25.08.07 in Groß Berßen stattfand.


Hess-Plakat 2007 an einer Plus-Filiale in Nordhorn

Auch 2008 sollte nicht Schluss mit hässlichen Hess-Plakaten sein. So verklebten sie diese auch letztes Jahr im August. Hierfür wurden die alten Plakate von 2006 genutzt sowie eigene kopierte schwarz-weiß Plakate. Aber auch diese Plakate hielten nicht lange und wurden kurz nach Anbringen wieder entfernt.

Nach eigenen Angaben machten die so genannten „Autonomen Nationalisten Grafschaft Bentheim“ dieses Jahr ein Hess-Gedenken „in einem abgelegenen Wald in der Grafschaft Bentheim“.

Für Plakate kleben in Nordhorn reicht es wohl nicht mehr. Fragt sich nur, warum. Vielleicht liegt es ja einfach daran, dass die Nazis keine Lust haben bei einer Plakatklebeaktion erwischt zu werden und dafür in den Bau zu wandern, da sie größtenteils auf Bewährung sind.

Ausgestiegen? Am Arsch!

Am 23.05.09 fand im niederländischen Den Bosch ein Naziaufmarsch der NVU statt. Etwa 50 Nazis aus Frankreich, der Niederlande und Deutschland nahmen daran teil. Unter diesen waren drei Nazis, welche ein Transparent mit der Aufschrift „Im Kampf um die Freiheit – Autonome Nationalisten Grafschaft Bentheim“ trugen. Stephan R., ehemaliger erster Vorsitzender des NPD Unterbezirks Emsland/Grafschaft Bentheim, konnte mensch hinter dem Transparent und im neuen Outfit kaum erkennen. Schwarze Hose, schwarzer Kapuzenpullover, schwarze Sonnenbrille, schwarzes Basecap und etwas längere Haare als sonst.


Transparent der ANGB in Den Bosch – Bild von laatzenietlopen.nl

R. wurde Ende März 2009 vom Amtsgericht Nordhorn wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, welche zu fünf Jahren auf Bewähurung ausgesetzt wurde. Hinzu kommt eine Bewährungsstrafe aus dem Jahre 2006 wegen Hausfriedensbruch in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Einzig und allein seine Distanzierung von der rechten Szene ersparte ihm die Haft. Vor Gericht behauptete er, dass er sich von seiner alten Szene gelöst hätte und jetzt ein „bürgerliches Leben“ leben wolle. Dies versuchte er mit seinem Umzug von Nordhorn nach Bad Bentheim zu untermauen. Außerdem präsentierte er ein Schreiben seines NPD Unterbezirks, das seinen Parteiaustritt belegte.


R. in Hannover bei dem Wahlkampfauftakt der NPD zur Landtagswahl im September 2007 – Bild von Recherche Nord

Wie wir schon die ganze Zeit vermuteten, war sein „Ausstieg“ aus der rechten Szene vor Gericht nur gespielt, um seiner Haftstrafe zu entgehen. Jetzt macht Stephan R. bei den „Autonomen Nationalisten Grafschaft Bentheim“ mit und schreibt u.a. Texte auf der Homepage der ANGB, welche seit Mai 2009 im Internet zu finden ist.

Auf ihr finden sich einige Aktionsberichte sowie Termine. Bis vor kurzem konnte mensch unter der Unterseite „Über uns“ noch eine Stellungnahme zu der Beleidigung einer Rollstuhlfahrerin lesen. Es wurde geschrieben, dass die ANGB nichts mit der Beleidigung zu tun hätten. Im gleichen Abschnitt leugneten sie auch noch den Holocaust mit folgendem Satz: „[…]zum anderen würden wir niemals das Wort Gas in Verbindung mit dem 3.Reich bringen, nicht weil es Verboten ist sondern weil wir im Gegensatz zu vielen Bundesbürgern eine etwas andere Meinung zu diesem Thema vertreten“.

Die hiesige NPD, die mit Reiner Alfons Heinen als ersten Vorsitzenden versucht immer ein gutes Bild als „patriotische Demokraten“ in der Öffentlichkeit abzugeben, scheint das alles aber nicht zu interessieren. Immerhin veröffentlichten sie u.a. einen Bericht der ANGB über ein so genanntes „nationales Gedenken“ und machen somit weiterhin gemeinsame Sache mit Gewalttätern wie R. und co.