Archiv für Dezember 2009

Zwischen Mythologie und Rassismus

In diesem Artikel geht es um die Naziband „Draupnir“ aus der Niedergrafschaft in der Grafschaft Bentheim. Musikalisch lässt sich die Band in die „Death Metal“ oder „Black Metal“ Schublade stecken. Das erste Mal erschien die Band 2007 auf dem Sampler „Sturm über Deutschland“ mit eindeutiger Symbolik auf dessen Cover, was auch keine weiteren Zweifel an der Ideologie der Mitglieder von Draupnir übrig lässt. Zu sehen ist dort ein Nazi mit Hakenkreuzbinde und im Hintergrund ebenfalls mehrere Hakenkreuzfahnen. Neben Bands wie „Führers Enkel“, „Hitler’s Harfen“, „Nostalgie & Blut und Boden“ sind Draupnir mit dem Lied „Urd, Werdandi, Skuld“ vertreten. Der Sampler wurde indiziert. 2008 brachten Draupnir dann ihr erstes eigenes Album „In Culpa Versari“ auf dem Nazilabel PC-Records herraus, welches auf 666 Exemplare limitiert und mittlerweile ausverkauft ist. Laut des Labels sollen Draupnir auch schon mit „Spreegeschwader“ und der Meppener Naziband „Stahlgewitter“ aufgetreten sein.


Links: Das Album „In Culpa Versari“; Rechts: Der Sampler „Sturm über Deutschland“ mit eindeutiger Symbolik

Das Album hat zehn Lieder, die teilweise auf englisch und teilweise auf deutsch gesungen werden. Neben „unpolitischen“ Liedern über die germanische Mythologie, gibt es auch eindeutig politische Texte mit rassistischem oder homophoben Inhalt. So singen Draupnir in dem Lied „Rage inside…“ z.B. über so viele „Mutterficker“, die das Land überbevölkern und die deutsche Bevölkerung terrorisieren würden. Ebenfalls rufen sie in diesem Lied zum Kampf gegen diese auf: „So many motherfuckers overpopulate this land – Soon they will have it in his hands – Our wifes in fear, oh yes they suffer – Raped and humbeled, laying in the gutter – Thats the sick mentallity of this creatures – Thats just one reason whitch makes us fractious – Go, go, go young men – You have to fight and to win.“ In dem Lied „Aus Stein“ wird dann auch gegen Multikultur gehetzt: „Doch dieser Stein, er droht zu brechen – Ist schon porös durch Schwäche und Dummheit – Durch Korruption und Imperialismus – Multikulturen und eurer Eitelkeit – Doch dieser Stein, er darf nie zerbrechen – Was einst bestand, das muss immer sein – Wie unsere Herzen, niemals zerbrechen – Wie unsere Herzen, stolz, frei und rein.“. In dem Lied „AGG“ singen die Nazis über das so genannte „Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz“, dass ihnen von der rot-grünen Regierung aufgezwungen worden sei und gegen sie als Deutsche hetze: „Uns kann man demütigen und treten – Toleriert wird dies von den Staatsräten – Das Gesetz in seiner ganzen härte – Schützt hier nur Aliens und Perverse – In seinem Schrecken nicht zu toppen – Wird bald auch das AGG floppen – Wenn jeder Bürger erst begreift – Pro-Deutsch und AGG sich beißt“. Aber selber hetzten Draupnir in diesem Lied gegen Schwule und „Fremde“: „Ich hab Schwule wirklich richtig gern – Die Geburtenrate liegt ja fern – Ich mag die Fremden wirklich sehr – Doch als Touristen noch viel mehr – Wohin meint ihr wohl, wird das geführt – Der Hass wird so doch nur geschürt“. In dem neunten Lied „Selbst dann“ geht es darum, dass Deutschland schon 2000 Jahre exisitiere und dieses Land eigentlich gar nicht so schlimm sei und das dieses Land nur auf „zwölf Jahre reduziert“ werde. Genauer eingegangen auf diese „zwölf Jahre“ (1933 bis 1945) wird nicht. Stattdessen wird diese Zeit mit den Kriegen der USA verglichen und somit relativiert. Ebenso wird gesungen, dass die USA Menschen lenken würden, wie es ihnen passt und somit eine schöne Verschwörungstheorie plump aus dem Ärmel geschüttelt: „Wer denkt denn heute noch an Kongo und Iran – An Somalia, Vietnam, Afghanistan – Wer denkt denn heute noch an Laos und Peru – Hat weggeschaut und sagte nichts dazu – Big Brother, er kann machen was er will – Droht er mit Krieg sind alle furchtbar still – Ihr seht es doch – Der Ami spinnt – Er denkt nicht weiter – Als ein Kindergartenkind – Lasst euch nicht weiter – Von diesen Spinnern lenken – Merkt euch eins – Ihr könnt selber denken“.

In dem beiliegendem Booklet sind u.a. alle Texte abgedruckt. Neben diesen sind Bilder der damaligen drei Bandmitglieder abgebildet. So kann mensch dort stehen sehen, dass der Sänger „Tony“ heißt, „Thomas“ der Schlagzeuger und „M.“ der Gitarrist ist. Und wenn mensch genau hinguckt, sieht mensch bei dem Bild des Sängers „Tony“ im Hintergrund sogar ein Plakat zum Todestag des Hitlerstellvertreters Rudolf Hess.


Bilder aus dem Booklet: Der aktuelle Sänger „Tony“ und der aktuelle Schlagzeuger „Thomas“

Bei der Band Draupnir handelt es sich also keineswegs um eine „normale“ Metalband, sondern um eine Naziband mit eindeutigen Texten. Draupnir lässt sich ausschließlich von Nazilabels vertreiben und fühlt sich in diesem Kontext, wie soll es bei Nazis auch anders sein, sehr wohl. Vielleicht sollten sich die Freund_Innen der Bandmitglieder mal Gedanken darüber machen, ob sie und ihre Metalszene sich nicht eindeutig von rechter Ideologie und Personen des Nazispektrums distanzieren und abspalten sollten, damit sie selber nicht mit dieser menschenverachtenden Ideologie in Verbindung gebracht werden.

Ein Satz mit X …

Im Juli 2009 rief der Vorsitzende des NPD Unterbezirks Emsland/Grafschaft Bentheim Reiner Alfons Heinen im Gästebuch der NPD-Homepage zu so genannten „Stammtischen“ auf. Bei diesen Stammtischen sollten anderen Nazis und interessierte Bürger_Innen die Gelegenheit geboten werden mit „frei denkenden Nationaldemokraten“ zu diskutieren. Diese sollten jeweils am ersten und dritten Samstag im Monat stattfinden. Zum einen in der Gaststätte „Kopietz“ in Schüttorf und zum anderen in der Gaststätte „Zur singenden Wirtin“ in Groß Berßen.

Der Stammtisch in Schüttorf fand insgesamt zwei mal statt. Interessierte Bürger_Innen konnte mensch jedoch nicht sehen. Lediglich waren einige Nazis aus der eigenen Stadt zum Stammtisch gekommen. Nach diesen zwei Treffen mussten die Betreiber_Innen ihre Gaststätte schließen, wahrscheinlich aus finanziellen Gründen. Zuvor dementierte die Gastwirtin jedoch, dass sich Nazis bei ihr zu einem NPD-Stammtisch treffen würden.


Gaststätte „Kopietz“ in Schüttorf

Der Stammtisch in der Gaststätte „Zur singenden Wirtin“ in Groß Berßen hat bislang drei Mal stattgefunden. Schon im November hatten die Nazis wohl keine Lust mehr und trafen sich gar nicht. Auch hier waren keine interessierten Bürger_Innen zu sehen. Lediglich waren dort nur einige Nazis aus der näheren Umgebung, wie z.B. Haselünne anwesend.

Aber auch schon vorher wurde die einzige Gaststätte in Groß Berßen von den Nazis genutzt. So wurde neben weiteren NPD-Treffen auch ein Rechtsrockkonzert am 25.08.07 mit etwa 150 Konzertbesucher_Innen durchgeführt.


Gaststätte „Zur singenden Wirtin“ in Groß Berßen

Anstelle eines Stammtisches rief der NPD Unterbezirk Emsland/Grafschaft Bentheim auf seiner Homepage letzten Samstag zu einer „ordentlichen Mitgliederversammlung“ in Groß Berßen auf. Es wurde um rege Teilnahme gebeten. Dieser Aufruf nutzte aber nichts. Gerade einmal eine Handvoll Nazis traf sich in der Gaststätte. Drei von diesen, u.a. der erste Vorsitzende des NPD Unterbezirks Emsland/Grafschaft Bentheim Reiner Alfons Heinen, kamen aus der Grafschaft Bentheim. Holger K. aus Haselünne, u.a. Mitglied der mittlerweile aufgelösten bzw. nie wirklich existierenden „Freien Kräfte Emsland“ war, wie einige Male beim Stammtisch zuvor, auch wieder dabei. Als Gast war Dirk Heimsoth, erster Vorsitzender des NPD Unterbezirks Osnabrück, anwesend.

Fassen wir zusammen: Der NPD Unterbezirk ruft zu einer „ordentlichen Mitgliederversammlung“ auf. Gerade einmal vier Nazis aus dem eigenen Unterbezirk, inklusive des ersten Vorsitzenden, der natürlich dabei sein muss, finden den Weg nach Groß Berßen. Passt also zu der momentanen Situation der Nazistrukturen in der Grafschaft Bentheim und dem Emsland.