Archiv für Juni 2010

Vergangenheitsbewältigung in der Grafschaft Bentheim

„‚Rosenregen‘ für Christa Brinkers“ titelten die Grafschafter Nachrichten am 11.06.2010 und berichteten darüber, dass sich am Samstag zuvor in Wietmarschen „Literaturfreunde, Verehrer und Verwandte der Lyrikerin und Erzählerin Christa Brinkers“ trafen, um ihr Grab mit einem „Rosenregen“ zu überschütten und ihr so zu gedenken.

Doch wer war Christa Brinkers?
Christa Brinkers wurde 1891 in Wietmarschen (Grafschaft Bentheim) geboren, wurde später Lehrerein und verstarb 1975 in Twist (Emsland). Zu ihren Lebzeiten schrieb sie Gedichte und Erzählungen in so genanntem Grafschafter Plattdeutsch und erlangte dadurch Bekanntheit. Aber Christa Brinkers war auch überzeugte Nationalsozialistin, wie eine Verwandte in einem Leserbrief, welcher am 21.06.2010 in den GN abgedruckt wurde, weiß. So schreibt sie: „Aus Erzählungen meines Vaters weiß ich: Mit ihrer Schulklasse stand Christa Brinkers während des Krieges Spalier auf dem Lingener Bahnhof, als Hitler sich für einige Sekunden am Fenster eines durchfahrenden Zuges von Süd nach Nord zeigte. Die Arme wurden zum ‚deutschen Gruß‘ hochgerissen und voller Stolz und Pathos verkündete sie fortan: ‚Ich habe meinem Führer in die Augen gesehen…‘“

Der Vorsitzende der „Literaturlandschaften Nordhorn“, welche den „Rosenregen“ organisiert haben, weiß auch darum, dass Christa Brinkers überzeugte Nationalsozialistin war. Allerdings, so der Vorsitzende, hat sie ein „Anspruch auf Vergebung“ und Barmherzigkeit.

Einer überzeugten Nationalsozialistin, die ihrem „Führer“ über den Tod hinaus treu war und es mit zu verantworten hat, dass Millionen von Menschen in Konzentrationslagern ums Leben kamen, soll vergeben werden?

Wir lassen hier die Schreiberin des Leserbriefes antworten und stimmen eindeutig zu: „Rote Rosen und Respekt sollten den Personen gehören, die in unserer Gesellschaft Mut und Charakter, Menschlichkeit und Größe bewiesen haben und denen, die während des Nazi-Regimes gedemütigt und ermordet wurden. Diese kleinen und großen Helden des Alltags gälte es zu ehren mit einem Rosenregen, damit sie nicht in Vergessenheit geraten.“

Kein Vergeben – Kein Vergessen! Keine Ehrung von Nazis!