Archiv für Juli 2010

„Brutality is my realitiy“ Part 3 & 4

Am 30.06.10 endete nach drei Verhandlungstagen die Revisionsverhandlung gegen den nordhorner Nazi Danny K. Gegen den 34-jährigen wurde wegen gleich zwei Straftaten verhandelt, welche er 2008 begangen hatte und auch verurteilt wurde. (1. Verhandlung | 2. Verhandlung) Allerdings legte er gegen beide Urteile Revision ein, sodass diese jetzt erneut vorm Landgericht Osnabrück verhandelt wurden.

Bei der einen Tat handelt es sich um zwei Körperverletzungen, welche Danny K. begangen haben soll. Dieses Verfahren wurde aber noch vor Gericht eingestellt, da es einige Ungereimtheiten gab. Wir werden in diesem Artikel auch nicht mehr auf diesen Tatvorwurf eingehen.

Bei der anderen Tat handelt es sich um zwei gemeinschaftlich begangene gefährliche Körperverletzungen, an denen Danny K. zusammen mit dem ehemaligen ersten Vorsitzenden des NPD Unterbezirks Emsland/Grafschaft Bentheim Stephan R., mit dem ehemaligen NPD-Mitglied Kai t.B. sowie mit den beiden jungen Erwachsenen S. und H., welche sich allerdings glaubhaft von der rechten Szene gelöst haben, beteiligt waren.
Eigentlich sollte diese Verhandlung auch erneut gegen den nordhorner Nazi Kai t.B. geführt werden. Allerdings zog die Staatsanwaltschaft kurz vor der Verhandlung die Revision zurück, sodass t.B. nur noch als Zeuge aussagen musste.

Danny K. erschien vor Gericht szenegemäß mit Thor-Steinar-Pulli und Glatze. Von Distanzierungsversuchen zur rechten Szene war keine Spur mehr. Oftmals sprach er auch „von der anderen Seite, die auch im Saal ist“.
Er äußerte sich zu den Tatvorwürfen. Entgegen seinen Aussagen vor dem Amtsgericht Nordhorn, in denen er angab zu betrunken gewesen zu sein, um sich an irgendwas zu erinnern, erinnerte er sich in Osnabrück auf wundersame Weise doch an einige Passagen des Abends. Er sagte aus, dass er zwar bei der Gruppe, die die zwei Personen, die sie zur linken Szene zählten, zusammengeschlagen haben, dabei war, allerdings weder zugeschlagen noch zugetreten habe.

Diese Aussage widerlegten die übrigen sechs Zeugen, darunter auch die beiden Geschädigten. S. und H., zwei Mittäter, belasteten wie auch schon in Nordhorn den Angeklagten schwer. Alle sagten aus, dass Danny K. auch zugetreten und -geschlagen hat.

Die Zeugen Stephan R. und Kai t.B. versuchten den Angeklagten zu entlassten, indem beide behaupteten, dass sie sich kaum noch an das Geschehene erinnern können. Nachdem der Richter den beiden jedoch vorhielt, dass sie auf Bewährung seien und das sie besser keine Falschaussage machen sollen, sagten beide auch gegen ihren Kameraden erneut aus.
Diese Aussagen dürften das ohnehin schon schlechte Verhältnis der Nazis untereinander noch verschlimmert haben. So schrieb Danny K. schon nach der ersten Verhandlung in einer Internet-Community über diese: „Ihr dreckigen Heuchler, rettet eure Haut und reißt einen „Freund“ rein! Ihr seid eine Frechheit… Verleugnet das was ihr seid, wofür ihr steht und woran ihr glaubt! Ihr schimpft euch Freunde… Ihr seid Abschaum… Prahlt mit eurer Bewährung und lasst den, den IHR belastet habt mit seiner Haftstrafe im Regen stehen! Bedenkt, die Zeit steht auf unserer Seite und es wird eine andere Zeit kommen… Dann werdet ihr euch wünschen, manches anders gemacht zu haben!“
Begleitet wurde Kai t.B. am ersten Verhandlungstag von dem nordhorner Nazischläger Andre L., welcher zur Zeit eine erneute Haftstrafe wegen Körperverletzung in der JVA Lingen absitzen muss.


Kai t.B., Danny K. und Andre L. beim Versuch eine antifaschistische Kundgebung am 30.08.2008 in Nordhorn zu stören Bild von recherche nord

Wegen eines Diebstahls sowie zweifachen Betruges wurde mit dem neuen Urteil eine Gesamtstrafe gebildet. Danny K. muss jetzt für drei Jahre und sieben Monate in Haft. Von einer Bewährungsstrafe war von Anfang an abzusehen.

Nachtrag: Auch die Grafschafter Nachrichten berichteten in ihrer Ausgabe vom 03.07.2010 über diese Verhandlung. Allerdings wird in diesem Artikel einiges inhaltlich total falsch wiedergegeben. Aus Dokumentationszwecken werden wir hier diesen Artikel dennoch veröffentlichen.

“ Dicke Luft und tiefe Abneigung
Landgericht Osnabrück verwarf Berufung eines ehemaligen NPD-Funktionärs aus Nordhorn

Nach drei Verhandlungstagen gegen einen ehemaligen NPD-Funktionär aus Nordhorn wurde der 33-Jährige wegen gefährlicher gemeinschaftlicher Körperverletzung in zwei Fällen zu drei Jahren und sieben Monaten Gesamtfreiheitsstrafe verurteilt. Der einstige NPD-Unterbezirksvorsitzende musste sich in einer von ihm angestrengten Berufungsverhandlung wegen schwerer Körperverletzung verantworten. In das Urteil flossen zwei Vorverurteilungen ein.

Im Saal des Landgerichts Osnabrück herrschte dicke Luft. Und das in doppelter Hinsicht: Zahlreiche Personen mit abenteuerlichem Aussehen, die eben noch Bier trinkend vor einem Kaufhaus am Neumarkt saßen, waren von ihren Gesinnungsfreunden aus Nordhorn eingeladen worden, als Zuschauer einem Prozess beizuwohnen. Punks und Linksradikale, die sich Antifaschisten nennen, verband die tiefe Abneigung gegen den Angeklagten: Ein ehemaliger NPD-Unterbezirksvorsitzende aus Nordhorn musste sich in der von ihm angestrengten Berufungsverhandlung wegen schwerer Körperverletzung verantworten. Vom Amtsgericht Nordhorn war der 33-Jährige im März 2010 zu zwei Jahren und neun Monaten verurteilt worden.
In der Nacht des 30. März 2008 hatte der Angeklagte sich mit vier Gleichgesinnten auf den Weg zu einer Kneipe am Gildehauser Weg gemacht, nachdem man in der eigenen Wohnung bereits reichlich gebechert hatte. Man klebte Parteiaufkleber an Laternen und eine türkische Pizzeria: Feuer und Flamme der neuen Weltordnung. Was damit gemeint sein könnte, zeigte sich wenig später. Einer der Skinheads erblickte ein Punkerpärchen und wies seine Kumpanen mit dem Ausruf: „Ey, da sind Zecken!“ darauf hin. Nach kurzer Verfolgungsjagd wurde das Pärchen eingeholt und die junge Frau zu Boden geworfen. Sie erlitt dabei zum Glück nur leichte Verletzungen. Schlimmer erging es dem jungen Mann, den drei Angreifer, darunter der Angeklagte, vor einem Garagentor stellten. Er wurde mit Schlägen und Fußtritten am Boden liegend auch gegen den Kopf traktiert. Folge: Prellungen und ein Nasenbeinbruch.
Der Angeklagte hatte im ersten Prozess behauptet, er könne sich wegen seines Alkoholkonsums an nichts erinnern. In der Berufungsverhandlung räumte er ein, an der Tat ohne eigenen Tatbeitrag beteiligt gewesen zu sein. Er entschuldigte sich bei den Opfern „Da ist Scheiße passiert. Aber ich habe nicht geschlagen oder zugetreten.“ Die junge Frau gab als Zeugin an, sie habe von der anderen Straßenseite gesehen, dass alle drei Personen auf ihren Freund eingeschlagen hätten. Sie traut sich bis heute nicht allein nachts auf die Straße. Zwei bereits rechtskräftig verurteilte Mittäter machten keine präzisen Aussagen zu etwaigen Tritten des Angeklagten. Einer, der sich nicht an der körperlichen Auseinandersetzung beteiligt hatte, antwortete auf die Frage nach seinem Nichteingreifen: „Die waren so in Rage, dann wäre ich auch fällig gewesen.“
Eine ursprünglich angeklagte weitere Körperverletzung durch den Angeklagten ließ sich nicht aufklären. Vor seinem Haus hatten die „Antifaschisten“ als Provokation eine Reichskriegsfahne verbrannt und seine schwangere Freundin mit einem Luftgewehr bedroht. Als der 33-Jährige, telefonisch alarmiert, herbeigeeilt war, soll es wieder Schläge gegeben haben. Da die Hochschwangere nicht als Zeugin aussagen konnte, wurde das Verfahren bezüglich dieses Anklagepunktes eingestellt.
Nachdem der Staatsanwalt in seinem Plädoyer vom „pogromartigen Charakter“ der Verfolgungsjagd des Punkerpärchens gesprochen hatte, verwies er auf das Vorstrafenregister des gebürtigen Magdeburgers und beantragte die Bestätigung des Urteils der Vorinstanz aus Nordhorn. Er ging von einem konkludenten Handeln des Angeklagten aus: Selbst, wenn dieser nur passiv daneben gestanden habe, sei trotzdem von seinem stillschweigenden Einverständnis zu den Taten auszugehen.
Dem schloss sich auch das Landgericht an und verurteilte den zweifachen Vater unter Einbeziehung von zwei weiteren Verurteilungen zu einer Gesamtstrafe von drei Jahren und sieben Monaten wegen zweifacher gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung.“