Archiv für November 2010

Vergangenheitsbewältigung in der Grafschaft Bentheim (2)

Wie in vielen anderen Städten Deutschlands wurde auch in der Grafschaft Bentheim am Sonntag, den 14. November diesen Jahres der Volkstrauertag „gefeiert“. So fanden an diesem Tag einige kleine aber auch etwas größere Veranstaltungen statt, bei denen aller Opfer von Kriegen gedacht wurde. Besonders wird am Volkstrauertag jedoch den gefallenen Soldat_Innen gedacht, auch denen der Deutschen Wehrmacht im Ersten und Zweiten Weltkrieg. In der Ausgabe der Grafschafter Nachrichten vom 13.11.2010 wurde zu diesem Anlass eine ganze Seite einem Schüttorfer Soldaten gewidmet, welcher im Zweiten Weltkrieg als vermisst gemeldet wurde und nie wieder zurück nach Hause gekommen ist. Unter dem Titel „Verdreckt, verlaust und fern der Heimat“ werden einige Ausschnitte aus Briefen des Soldaten Heinz Fischer an seine Familie veröffentlicht. Fischer, welcher mit 18 Jahren in die Waffen-SS einrückte, schrieb in diesen Briefen unter anderem über seinen Glauben an den „Endsieg“, obwohl er laut eigenen Aussagen viel miterlebt und mitgemacht habe, was sich die Familie zu Hause nicht vorstellen könne. Unter anderem konnte mensch lesen, „das […] der Kampf um das Dasein Deutschlands, unser Vaterland“ sei. Überzeugt von seinem Tun und dem „Endsieg“, ging der junge Soldat für sein „Vaterland“ – Nazideutschland – an die Front und kämpfte gegen den „Iwan“, die Sowjetunion. Erst als er selber verwundet wurde, gefiel ihm der Krieg doch nicht mehr so gut und er wollte wieder nach Hause.
Und unter anderem diesem Soldaten wurde am Volkstrauertag gedacht, denn auch er gehöre zu „allen Opfern“ dazu. Deutsche Täter_Innen werden so jedes Jahr auf’s Neue zu Opfern stilisiert, um welche gleichermaßen getrauert werden solle, wie Menschen, die in Konzentrationslagern grausam ermordet worden sind.

Das ist ekelhaft!
Deutsche Täter_Innen sind keine Opfer – Gegen die Verdrehung der Geschichte und die alljährige Soldat_Innenverehrung!

Nie vergessen!